“Was bedeutet dir dein Glaube in deinem Alltag?” und andere Fragen… Konfis antworten

Das Interview hat Pfarrerin Lisa Fuchs mit Jonathan und Aanu am 22.01.2019 geführt. Die Bilder als Antworten auf die Frage, welche Rolle die Kirche /Gemeinde in ihrem Leben spiele, stammen von Annika, Joanna und Justin. Alle sind 12 Jahre alt und besuchen den KonfirmandInnen-Unterricht der Christuskirchengemeinde

Was bedeutet dir dein Glaube in deinem Alltag?

Spielraum Kirchengemeinde 1

Jonathan: Gott gibt mir Schutz und Sicherheit in schwierigen Situationen, z.B. bei Klassenarbeiten oder wenn ich geärgert werde. Ich bin geborgen bei ihm. Ich falte meine Hände und konzentriere mich auf Gott. So mache ich es immer, wenn ich Probleme oder Schwierigkeiten habe. Manchmal hilft es und manchmal auch nicht. Wenn sich die Situation dann trotzdem nicht geändert hat, versuche ich, ihr aus dem Weg zu gehen oder sie aus eigener Kraft zu überwinden. In meiner Familie beten wir auch gemeinsam sehr viel, vor dem Essen und vor dem Schlafengehen und auch wenn Besuch kommt zu Beginn und zur Verabschiedung. Es wird immer reihum gebetet, aber weil ich zu den älteren Kindern gehöre,

muss ich meistens beten. Das macht mich nervös. Die Kleinen unter 6 Jahren müssen noch nicht laut beten.

 

Welche Rolle spielt die Kirche /Gemeinde in deinem Leben?

Aanu: Früher bin ich mit meiner Familie zu einer englischsprachigen Gemeinde weiter weg gefahren, aber dann wollten wir lieber zu einer Gemeinde in der Nähe gehen und deshalb bin ich jetzt hier. Mein Bruder und ich gehen zum KonfirmandInnenunterricht und ab und zu besuchen wir den Gottesdienst.

Spielraum Kirchengemeinde 2

Jonathan: Wir fahren immer nach Köln zur Kirche, die Papa Ilunga gegründet hat. Gegen ein oder zwei Uhr nehmen wir am Sonntag den Zug nach Köln. Der Gottesdienst dauert 4-5 Stunden und es wird meistens Ningala gesprochen, aber auch Deutsch. Da wird gebetet und gesungen und getanzt und wir gucken auch Video-Clips mit Bibelzitaten. Ich hab da Freunde und sitze meistens neben meinem Cousin aus Leverkusen. An Silvester haben wir auch zusammen geböllert und Raketen steigen lassen. Ich gehe aber hier zum KonfirmandInnenunterricht, weil ich mehr darüber erfahren will, was in dieser Kirche von Gott erzählt und gelehrt wird. Ich weiß, dass wir denselben Gott haben, aber es ist irgendwie auch unterschiedlich. Für uns ist das so eine Art schwarzer Jesus und deswegen wollte ich noch mehr über den von der anderen Art wissen. Ich will nicht gottesrassistisch sein.

Aanu: In meiner früheren Gemeinde gab es auch KonfirmandInnenunterricht. Da gab es für die Kinder unterschiedliche Gruppen, je nachdem wie alt sie waren. Mein Bruder war 11 und durfte bei den Älteren mitmachen, und ich war noch 8 und musste bei den Kleinen bleiben. Es gab einen großen Raum, der unterteilt war. Wir mussten auch Hausaufgaben machen und man musste extra Aufgaben machen, wenn man die Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Wenn man bei den Eltern bleiben wollte im Gottesdienst, mussten die Kinder ein oder zwei Stunden in einer Ecke sitzen und still sein und warten. Das war langweilig.

Jonathan: Das ist bei uns ganz anders. Die Eltern geben die Kinder (in so einer Art Kindergottesdienst) ab und wir haben besondere T-Shirts bekommen, etwas über die Bibel gelernt und Spiele gemacht. Wir nennen uns „Die kleinen Kinder von Gott“. Es gibt auch einen eigenen Tag für Kinder, wir übernachten auch in der Kirche und nachts wird gebetet und dann wieder geschlafen.

Wie stellst du dir die ideale /optimale Kirche / Gemeinde vor?

Aanu: Ich finde die Kirche hier eigentlich schon gut, aber der Kinderraum („Taufwarteraum“) ist nicht schön. Ich war da mal mit meiner kleinen Schwester drin, und sie hatte kaum Sachen zum Spielen. Es gab Stifte zum Malen, aber die waren nicht angespitzt. Der Raum muss besser gemacht werden. Außerdem finde ich es peinlich, wenn mich die Leute angucken, wenn ich mal zu spät zum Gottesdienst komme. Das ist mir unangenehm.

Jonathan: Der Kinderraum sollte größer sein und schallgedämpft, damit man die Kinder nicht hört, wenn sie laut sind. Ich fände es schön, jeden Samstag in der Kirche zu übernachten und mich am nächsten Morgen im Badezimmer umzuziehen und dann zum Gottesdienst zu gehen.

Aanu: Ich hab im Gottesdienst schon mal hinter einem großen Mann gesessen und konnte gar nichts sehen, deshalb fände ich es gut, wenn die ersten Reihen grundsätzlich für Kinder und Jugendliche reserviert wären. Aber vielleicht finden die Erwachsenen es auch blöd, wenn die Kinder bevorzugt würden.

Welche Beziehung hast du zu Gott? Wie stellst du dir das Göttliche vor?

Spielraum Kirchengemeinde 3

Jonathan: Ich glaub, ich hab eine mittlere Beziehung zu Gott, weil ich mich oft mit meinen Eltern streite und auch oft fluche. Ich glaube, Gott mag mich, aber nicht so sehr, weil ich so oft gereizt bin. Ich bin reizbar. Und ich stelle mir das Göttliche vor wie einen Engel mit Flügeln und dunkler Haut und Engelskrönchen, der aussieht wie ein alter Mann mit langem Bart.

Aanu: Ich habe mal nachgefragt, warum Gott meistens männlich dargestellt wird und nicht auch mal als Frau. Aber da haben mich alle ausgelacht.

Warum würdest du anderen Kindern / Jugendlichen empfehlen, den KonfirmandInnenunterricht zu besuchen?

Aanu: Ich hatte zuerst gedacht, dass es so wie in der Schule wäre mit Hausaufgaben usw., aber das ist nicht so, und deshalb würde ich es auch weiterempfehlen. Mir gefällt es.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.